Melatonin als regulator des stoffwechsels und des gewichtes



Dr. Ruggero Grazioli – Chirurg und Spezialist in Ernährungswissenschaften – Master in Angewandter Philotherapie

Die heilsame Wirkung von Melatonin auf den Schlaf und gegen Jet-lag ist allseits bekannt, doch es wirkt auch in vielen anderen Fällen. Ich möchte deshalb die Bedeutung von Melatonin für den Zellstoffwechsel und die Ernährung unterstreichen.
Es gibt viele aktuelle Studien, die die bedeutende Rolle des Melatonins bei der Kontrolle des Körpergewichts verdeutlichen.
Die erste Hypothese bei diesen Studien war, dass das Gewicht mit dem Schlaf zusammenhängt. Mäuse, die weniger schlafen, haben mehr Zeit zum Essen. Doch die Wirkungsweise von Melatonin ist viel unmittelbarer, da Personen, die wenig schlafen, auch wenig Melatonin produzieren und in direkter Folge über weniger Leptin verfügen. Deshalb wird das Hungerzentrum weniger stark gehemmt und man hat mehr Appetit. Man hat außerdem festgestellt, dass sich der Grundverbrauch durch den Stoffwechsel verringert, wenn man weniger schläft. Somit stehen mehr Kalorien zur Verfügung, die sich als Fettsäuren in den Fettzellen ablagern können.
An der Universität Cleveland wurde eine Langzeitstudie mit 68.000 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren über einen Zeitraum von 16 Jahren durchgeführt. Es wurde bewiesen, dass die Frauen, die nur 5 Stunden am Tag schliefen in 32% der Fälle 15kg mehr wogen, als die Frauen, die 7 Stunden am Tag schliefen. Beide Gruppen verfügten über die gleiche Menge an zugeführten Kalorien und bewegten sich auch gleich viel am Tag.
Derzeit sind die Mechanismen und Korrelationen zwischen Schlaf und Gewicht noch nicht gut erforscht. Eine Hypothese lautet, dass man während des Schlafes mehr Energie für die Zellerneuerung aufbringt. Zwar fehlt der Verbrauch für die Muskelbewegung, doch der Grundstoffwechsel wird für die vermehrten enzymatischen Aktivitäten aktiviert. Wenn man sich im Krieg befindet, verschwendet man keine Energie, um das Haus neu zu streichen, sondern wartet damit auf die Friedenszeiten.
Andere Studien haben eine Korrelation zwischen Melatonin und der Ernährung unabhängig von Schlaf aufgedeckt. In einer Studie wurde bewiesen, dass Mäuse, die weniger zu Fressen bekamen, länger lebten und auch mehr Melatonin produzierten. Im Gegensatz dazu stand die Kontrollgruppe, die nach Belieben große Mengen an kaloriereicher Nahrung futtern konnte.
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2010 der Universität von Madrid belegt, dass Melatonin bei Mäusen einige negative Effekte einer fettreichen Ernährung neutralisiert und der Fettleibigkeit bei Mäusen vorbeugt. Nach 9 Wochen der Melatonineinnahme, war ihr Cholesterinspiegel und Blutzuckerspiegel deutlich gesenkt und sie hatten an Gewicht abgenommen, obwohl die Mäuse die gleiche Menge an Fett zu sich genommen hatten.
Im Jahr 2010 hat die Universität von Losanne eine Studie an Mäusen mit Insulinresistenz durchgeführt, die ergeben hat, dass Melatonin die Homöostasis (Selbstregulation) der Glukose und die endotheliale Gefäßfunktion verbessert. Dieser Mechanismus betrifft die Gefäße. Er verbessert die Gefäßerweiterung der Muskeln, die so die Glukose besser abbauen können. In-Vitro-Versuche haben jedoch keine Auswirkungen des Melatonins auf eine Verringern der Insulinresistenz gezeigt.
Man hat auch die Auswirkung einer Langzeitmelatoningabe bei Mäusen untersucht. An der Universität der Slowakei hat man festgestellt, dass bei einer 6-monatigen Melatoningabe das Körpergewicht, der Blutzucker- und der Cholesterinspiegel abnahmen, während das hepatische Glykogen und die Muskelmasse des Herzens zunahmen.
Abschließend sei anzumerken, dass in all diesen Studienmodellen an Mäusen festgestellt werden konnte, dass das Melatonin die Gewichtsabnahme unterstützt. Deshalb sollte man in Fällen der Fettleibigkeit oder Stoffwechselerkrankungen Melatonin zur Unterstützung der Regulation des Stoffwechsels und des Gewichtes anwenden. Zusammen mit einer kalorienarmen Ernährung und anderen Ergänzungsmitteln können so das Körpergewicht, der Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und die Triglyceride gesenkt werden.




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