Mehr Licht



Die neuen Bildschirme mit LED-Technik haben eine Besonderheit: Sie strahlen vor allem kurzwelliges blaues Licht mit einer Wellenlänge um 460 Nanometer ab, auf das unsere Augen besonders empfindlich reagieren. Und nicht nur die.

Dr. med. Johannes Weiß

Die Computer haben uns fest im Griff: Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Branchenverbandes Bitcom nutzen knapp 80 Prozent der Deutschen täglich einen Rechner, etwa jeder fünfte von ihnen fünf Stunden und mehr. Auch im Netz sind wir gut unterwegs: Im Jahr 2009 waren es durchschnittlich etwa 70 Minuten pro Tag, wie eine Onlinestudie von ARD und ZDF berichtet. Wahrscheinlich sind es mittlerweile mehr.
Viel Zeit also, die wir Tag für Tag vorm Bildschirm verbringen. Und die kann unser Leben neben Arbeit und Freizeit noch ganz anders beeinflussen, wie jetzt eine Gruppe von Schweizer Wissenschaftlern herausgefunden hat. Genauer gesagt sind es die Bildschirme. Denn die neueren Modelle mit LED-Technik haben eine Besonderheit: Sie strahlen vor allem kurzwelliges blaues Licht mit einer Wellenlänge um 460 Nanometer ab, auf das unsere Augen besonders empfindlich reagieren.

Dieses Licht beeinflusst auch die Zirbeldrüse im Gehirn, die das Schlafhormon Melatonin bildet und so den Tagesrhythmus beeinflusst. Die Wissenschaftler wollten nun herausfinden, wie sich dies auf Schlaf und Aufmerksamkeit auswirkt. Dazu untersuchten sie 13 gesunde junge Männer, die an einem Abend fünf Stunden an einem Computerbildschirm mit und an einem anderen Abend an einem Monitor ohne LED-Beleuchtung arbeiteten.

Nach der Computerarbeit führten die Forscher mit den Teilnehmern verschiedene Tests durch, in denen sie Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit prüften, Hirnströme untersuchten und in Speichelproben den Melatoningehalt bestimmten. Ergebnis: Im Vergleich zum normalen Monitor waren die Versuchspersonen nach der Arbeit am LED-Bildschirm geistig leistungsfähiger, reagierten schneller und waren wacher. Außerdem schüttete ihre Zirbeldrüse weniger Melatonin aus.

Die Medaille hat jedoch zwei Seiten: Die gesteigerte Leistungsfähigkeit ist zwar für die Arbeit hilfreich, doch der verschobene Schlaf-Wach-Rhythmus kann zu Einschlafschwierigkeiten führen. Obwohl das Experiment nur fünf Stunden dauerte, zeigten sich schon Effekte. Da stellt sich die Frage, wie sich mehrere Stunden täglicher Abendarbeit auswirken. Eine verkannte Ursache von Schlafproblemen?

Quelle: www.fr-online.de

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