Schlaflos in New York – Was tun gegen Jetlag?



Im Sommer ist Urlaub auf anderen Kontinenten sehr beliebt. Doch bei Fernreisen in die USA oder nach Asien kann die Zeitumstellung einige Tage dauern und kostbare Urlaubsstunden kosten. Mehr! zeigt, wie einfache Tricks für Abhilfe sorgen können.

Der Flieger startet kurz vor Mitternacht Richtung Bangkok und Tobias S. schläft sofort nach dem Start ein. Nach gut zwölf Stunden Flug landet er ausgeruht in der thailändischen Metropole und schon geht dank der Zeitverschiebung die Sonne wieder unter. Der junge Backpacker schlägt sich die halbe Nacht um die Ohren und schlendert am nächsten Tag abgeschlagen zu den berühmten Tempeln der Stadt.

Warum leiden wir unter der Zeitverschiebung? "Jetlag ist eine Störung der inneren Uhr", erklärt Dr. Thomas Jelinek, Leiter des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf.

Die Symptome sind Schlafstörungen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitseinschränkungen. Aber auch Kopf- und Magenschmerzen können die ersten Urlaubstage beeinträchtigen. "Die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich", weiß der Experte. "Während einige Menschen den Zeitzonenkater kaum wahrnehmen, benötigen andere mehrere Tage, um sich auf den neuen Rhythmus einzustellen."

Als Faustregel gilt: Die innere Uhr benötigt etwa einen Tag, um zwei Stunden Zeitunterschied auszugleichen. Denn die Zirbeldrüse produziert zunächst genau dann das Schlafhormon Melanin, wenn daheim die Sonne untergeht.

Was hilft unterwegs? Wer bis zur letzten Sekunde arbeitet und abgehetzt in den Flieger steigt, wird die ersten Reisetage zur Erholung und Anpassung an die neue Zeitzone benötigen. Besser ist es, bereits einige Tage vor Abflug die Schlafphasen um ein bis zwei Stunden zu verschieben, um sich an die Nächte im Urlaubsland zu gewöhnen. Reisende gen Westen sollten somit später zu Bett gehen, bei Flügen nach Osten ist frühe Nachtruhe von Vorteil. Spätestens während des Fluges muss die Schlafzeit angepasst werden. Wichtig: Gleich nach dem Start die Uhr umstellen, um sich innerlich auf den neuen Tagesrhythmus im Urlaubsland einzustellen.

Bei Ankunft Licht Jetlag ist nicht vermeidbar, doch die Symptome können gelindert werden. Auf keinen Fall darf man sich im Urlaubsort dann hinlegen, wenn die Müdigkeit zuschlägt. Geben Reisende hier nach, kämpfen sie meist eine Woche mit der Zeitumstellung.

Wichtig ist, bis abends durchzuhalten, um schnell in den neuen Rhythmus zu kommen. Direkt nach der Ankunft sollten viel frische Luft und Licht auf dem Programm stehen. "Auch wenn die innere Uhr ,Nacht' anzeigt ist das Tageslicht vor Ort wichtig, denn es liefert wichtige Signale für die Anpassung", sagt Thomas Jelinek. Sonnenschein hilft dem Körper beim Umgewöhnen, auch eine gezielte Ernährung entsprechend der neuen Tageszeiten unterstützt die Jetlag-Bekämpfung.

Welches Mittel hilft? Die Vielfalt der Jetlag-Gegenmittel aus der Apotheke ist groß. Medikamente auf pflanzlicher Basis wirken mit Arnika und Kamille, Homöopathen nehmen Kügelchen mit Kockelskörnern, andere schwören auf Schüßlersalze. In den USA werden für Reisen gen Osten Präparate mit Melatonin verkauft, die ebenso wie das körpereigene Hormon müde machen. Medikamente auf Basis von Ritalin halten bei Reisen gen Westen wach. Da Jetlag jedoch keine Krankheit ist, sollte auf hoch dosierte Tabletten verzichtet werden.

Besser sind harmlose Wachmacher wie Jetlag-Brillen. Die an der australischen Flinders Universität in Adelaide entwickelte Re-Timer Brille sendet mit LED-Leuchten ein spezielles grünes Licht aus, das die innere Uhr des Körpers beeinflussen soll. Ein System aus chinesischer Medizin und Chronobiologie von Dr. Hillenbrand aus Marburg wirkt dem Jetlag mit Akupressur entgegen: Je nach Flugdauer ergibt sich eine Kombination aus bis zu zwölf Akupressur-Punkten, die im Abstand von zwei Stunden massiert werden müssen. Jetlag-Rechner beispielsweise von British Airways sagen, nach welcher Zeitverschiebung wann wie viel Licht bei der Umstellung hilft. Wer extreme Probleme mit dem Jetlag hat, kann auf südlich gelegene Ziele ausweichen: So beträgt die Zeitumstellung in Afrika, auf den Seychellen oder Mauritius nur ein bis zwei Stunden.

 

Quelle: RP Online


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